Claude Code ist Anthropics KI-Coding-Tool. Gestartet als reines Terminal-Programm, gibt es inzwischen auch eine Desktop-App, eine Web-Version und Extensions für VS Code und JetBrains. Der Kern ist überall derselbe: Man tippt, Claude denkt mit, schreibt Code, liest Dateien, führt Tests aus. Wer es zum ersten Mal öffnet, ist oft erstaunt, wie viel es alleine erledigt.
Das Problem: Ohne ein bisschen Grundwissen über Skills produziert Claude Code brauchbare, aber generische Ergebnisse. Mit dem richtigen Setup wird daraus ein Werkzeug, das tatsächlich zur eigenen Arbeitsweise passt.
Hier sind die wichtigsten Konzepte für den Einstieg.
Was sind Skills überhaupt?
Skills sind prompt-basierte Fähigkeiten. Wenn man einen Skill aufruft, lädt er eine Markdown-Datei als Instruktionsset in Claudes Kontext, und Claude führt diese Anweisungen aus.
Praktisch gesagt: Man schreibt einmal auf, wie Claude bei einer bestimmten Aufgabe vorgehen soll. Danach muss man es nicht mehr jedes Mal neu erklären.
Skills verändern das Standardverhalten von Claude Code, anstatt nur einen neuen Befehl ins Menü zu packen. Die besten Skills ändern, was Claude produziert, ohne dass man ständig nachprompten muss. Ein zusätzlicher Slash-Befehl wird schnell vergessen, eine Verhaltensänderung wirkt automatisch.
Slash Commands vs. Skills: Der häufigste Irrtum
Diese Unterscheidung verwirrt viele am Anfang. Slash Commands sind fest einprogrammierte Operationen mit fixer Logik, zum Beispiel /clear, /compact, /help, /model und /cost. Diese sind direkt in Claude Code eingebaut.
Skills hingegen sind prompt-basiert. Beim Aufruf wird eine Markdown-Datei in den Kontext geladen, und Claude führt sie aus. Skills können Subagents starten, Argumente entgegennehmen, spezifische Tools nutzen und mehrstufige Workflows orchestrieren.
Beide werden mit / aufgerufen. Das ist die Quelle der Verwirrung. Einfache Regel: Wenn es in der Doku als eingebaut beschrieben wird, ist es ein Command. Alles andere ist ein Skill.
Die eingebauten Skills kennenlernen
Bevor man eigene Skills schreibt, lohnt es sich, die mitgelieferten zu verstehen.
Welche Skills mitgeliefert werden, ändert sich mit den Releases. Aktuell (Stand Juli 2026, Version 2.1.x) gehören unter anderem /simplify, /code-review, /verify, /run, /loop und /claude-api dazu. Das System ist aber vor allem dafür gebaut, dass man eigene erstellt.
/simplify: Der tägliche Begleiter
Das ist der am häufigsten verwendete Skill. Nach Änderungen am Code prüft /simplify die veränderten Dateien auf Wiederverwendungspotenzial, Qualitätsprobleme und Effizienzverbesserungen und korrigiert sie direkt. Ein Mini-Review für die Code-Qualität, ohne das Terminal zu verlassen. Wer gezielt nach Bugs sucht, nimmt stattdessen /code-review.
Konkret: Immer dann aufrufen, wenn Claude grössere Code-Blöcke geschrieben hat. Er findet ungenutzte Imports, redundante Variablen, Möglichkeiten für gemeinsame Logik und überkomplizierte Bedingungen.
/frontend-design: Für alles mit Benutzeroberfläche
Fragt man ein LLM ohne Anleitung nach einer Landing Page, kommt fast immer dasselbe: Inter-Font, lila Gradient auf weiss, minimale Animationen, Grid-Cards. Nicht falsch, aber vorhersehbar. Anthropic nennt das "distributional convergence". Modelle sind auf den statistischen Mittelpunkt trainiert und reproduzieren genau diesen.
Der offizielle Anthropic frontend-design Skill (Stand März 2026 über 277'000 Installationen) gibt Claude ein Designsystem, bevor er eine Zeile Code anfasst. Ohne diesen Skill liefert man den klassischen lila-Gradient-auf-weiss-Inter-Font-Output, den User sofort als KI-generiert erkennen.
Die CLAUDE.md Datei: Pflicht, keine Option
Eine gut konfigurierte Umgebung ist entscheidend dafür, dass Claude den Projektkontext versteht. Wenn eine Session startet, sucht Claude Code automatisch nach einer CLAUDE.md Datei im Root-Verzeichnis des Projekts. Wird sie gefunden, wird ihr Inhalt in den Kontext eingebunden.
Das bedeutet: Hier gehören Coding-Konventionen hinein, bevorzugte Libraries, Projektstruktur, was man auf keinen Fall tun will. Je präziser diese Datei, desto weniger muss man Claude bei jeder Aufgabe neu instruieren.
Skills sind Markdown-Dateien, die Claudes Wissen bei Bedarf erweitern. Die CLAUDE.md lädt bei jeder Session, ein Skill nur, wenn er für die aktuelle Aufgabe relevant ist. Das hält den Kontext schlank.
Plan Mode: Zuerst denken, dann coden
Recherche und Planung sollten von der Implementierung getrennt werden. Wenn Claude direkt mit dem Coden anfängt, entsteht schnell Code, der das falsche Problem löst. Plan Mode trennt Exploration von Ausführung.
Praktisch: Aufgabe beschreiben, Plan Mode aktivieren, Claude die Codebase verstehen lassen, Plan prüfen und ggf. anpassen, dann erst umsetzen. Dieser Schritt wird von Anfängern am häufigsten übersprungen.
Eigene Skills erstellen: Der erste Schritt
Skill-Dateien können beliebige Instruktionen enthalten. Referenz-Content fügt Wissen hinzu, das Claude auf die aktuelle Arbeit anwendet: Konventionen, Patterns, Style Guides, Domain-Wissen. Dieser Content läuft inline, sodass Claude ihn parallel zum Gesprächskontext nutzen kann.
Ein konkretes Beispiel: Man hat interne API-Naming-Konventionen. Statt diese bei jedem Aufruf zu erklären, schreibt man sie einmal in eine SKILL.md Datei. Claude wendet sie automatisch an, wenn er API-Code schreibt.
Die Konfiguration des Skill-Verhaltens erfolgt über YAML Frontmatter-Felder am Anfang der SKILL.md Datei. Alle Felder sind optional. Nur description wird empfohlen, damit Claude weiss, wann der Skill verwendet werden soll.
Ein einfaches Starter-Template:
--- name: api-conventions description: API Design-Konventionen für dieses Projekt --- Beim Schreiben von API-Endpoints: - RESTful Naming-Konventionen verwenden - Einheitliche Fehlerformate zurückgeben - Immer Request-Validierung einbauen
Feedback-Loop einbauen: Der grösste Hebel
Tests, Screenshots oder erwartete Outputs mitgeben, damit Claude sich selbst prüfen kann. Das ist der grösste Einzelhebel. Claude arbeitet deutlich besser, wenn er seine Arbeit verifizieren kann: Tests ausführen, Screenshots vergleichen, Outputs validieren. Ohne klare Erfolgskriterien produziert er manchmal etwas, das richtig aussieht, aber nicht funktioniert. Dann ist man selbst die einzige Kontrollinstanz.
Boris Cherny, der Schöpfer von Claude Code, schreibt dazu: Allein dieser Feedback-Loop verdoppelt bis verdreifacht die Qualität des Endergebnisses. Inzwischen hilft dabei auch der eingebaute Skill /verify, der eine Änderung end-to-end im laufenden Programm prüft statt nur über Tests und Typecheck.
Kontext-Management: /clear ist dein Freund
Pro-Tipp: /clear regelmässig verwenden. Jedes Mal, wenn man mit etwas Neuem anfängt, den Chat leeren. Die alte Gesprächsgeschichte frisst Tokens, und man braucht nicht, dass Claude Compaction-Calls startet, um alte Konversationen zusammenzufassen.
Bei einem Wechsel von einer komplexen Aufgabe zu einer völlig anderen ist /clear sinnvoll. Es leert das Kontextfenster und verhindert, dass Claude durch irrelevante vergangene Konversationen verwirrt wird.
Die wichtigsten Skills für Einsteiger: Zusammengefasst
| Skill / Feature | Wofür | Priorität |
|---|---|---|
| CLAUDE.md | Projektkontext, Konventionen | Sofort einrichten |
/simplify | Code-Qualität nach Änderungen | Täglich nutzen |
/code-review | Bugs im aktuellen Diff finden | Vor jedem Commit |
| Plan Mode | Komplexe Features planen | Vor jeder grösseren Aufgabe |
/frontend-design | UI-Code, der nicht nach KI aussieht | Bei UI-Projekten |
/clear | Kontext sauber halten | Bei Themenwechsel |
| Eigene Skills | Wiederkehrende Konventionen | Nach 1-2 Wochen Nutzung |
Der beste Einstieg: CLAUDE.md anlegen, die eingebauten Skills kennenlernen und erst dann eigene schreiben, wenn man weiss, was man immer wieder erklärt. Das ist der Unterschied zwischen einem Tool, das man nutzt, und einem, das für einen arbeitet.
Weiterführende Links
- Claude Code Docs: Skills: Offizielle Dokumentation zu Skills, Frontmatter-Konfiguration und Subagents
- Claude Code Best Practices (Anthropic): Offizielle Best Practices inkl. Plan Mode, Feedback-Loops und Multi-Agent-Workflows
- Essential Claude Code Skills and Commands: Praxisnaher Überblick über eingebaute Skills und den Unterschied zu Slash Commands
- 10 Must-Have Claude Code Skills: Konkrete Skill-Empfehlungen mit echten Anwendungsfällen und Prompts